Netzverstärkung Lüneburg: 411-Meter-Bohrungen durch Salz und Fels
Jumbotrommeln, mehrere Tonnen schwer, rollen per Schwertransport durch Lüneburgs Altstadt, 480 Meter Leerrohr auf einer Rolle. Die Logistik für die Netzverstärkung Lüneburg läuft auf Hochtouren. Seit Juli 2025 bis März 2026 realisieren wir für die Avacon Netz GmbH 1850 Meter Doppeltrasse im Horizontalspülbohrverfahren. Die längste Bohrung sind 430 Meter am Stück, bis zu 13 Meter tief.
Das Projekt:
Die Trasse verläuft vom 380/110 kV Umspannwerk Rettmer durch die Soltauer Straße entlang der Hasenburg zur Lindenstraße 45. Acht Mittelspannungsstationen werden neu angeschlossen, zwei weitere 20 kV-Kabel enden in den Stadtteilen Mittelfeld und Rotes Feld. Dort werden vorhandene Mittelspannungsstationen mit leistungsfähigeren Kabeln angeschlossen.
Sechs HDD-Bohrungen zwischen 133 und 430 Metern, dazu zwei Abschnitte in offener Bauweise. Verlegt werden vier 20 kV-Systeme: ein Stützpunktkabel mit 800 mm² Querschnitt sowie drei weitere Systeme mit 300 mm² Querschnitt. Das Stützpunktkabel wird in drei Metern Tiefe verlegt, die Bohrungen erreichen bis zu 13 Meter Tiefe.
Die Herausforderungen:
Salzstöcke greifen die Bohrspülung an, Felsauflagerungen verschleißen die Bohrkronen und Moorgebiete sind instabil. Dazu belastete Böden, hohe Baumschutzauflagen, archäologische Bereiche, Kampfmittelbegleitung. Am Kreisverkehr Hasenburg kommt eine 35-Grad-Kurve unter der Erde hinzu.
In bis zu 13 Metern Tiefe verlaufen Gas-, Wasser- und Telekommunikationsleitungen, teilweise historisch und nicht vollständig kartiert. Hinzu kommt die Querung eines Brückenbauwerks.
Um die Sicherheit bei Störungen im Kabelbereich zu gewährleisten, werden maximal zwei 20kV-System pro Bohrung eingezogen. Der Abstand zwischen den Bohrungen beträgt mindestens zwei Meter.
Die Lösungen:
Langfristige Vorplanung mit Generalauftragnehmer und Planungsbüro bildet die Basis. Die Baugrunderkundung durch unser Tochterunternehmen IBV Hamburg GmbH & Co. KG umfasst enge Baugrunduntersuchungen im Vorfeld und Recherchen im Stadtarchiv zu alten Bodenuntersuchungen. Strategisch platzierte Ziel- und Startbaugruben für die HDD-Bohrungen verkürzen die Bauzeit. Enge Abstimmung mit Behörden und Baubeteiligten sowie erfahrenes Personal auf der Baustelle sichern den Ablauf.
Zwei HDD-Bohranlagen mit 50 und 30 Tonnen Zugkraft sind auf den schwierigen Baugrund abgestimmt. Dazu kommen 16-Tonnen-Mobilbagger, Radlader (12,5 und 6 Tonnen), 6-Tonnen-Kettenbagger, Saugbagger und Verbauboxen.
Die Bentonit-Aufbereitungsanlage und die Recycling-Anlage der Mudcon recyceln die Bohrspülung vor Ort. Das vermeidet Entsorgungscontainer-Verkehr im Stadtgebiet. 1000 Quadratmeter Alu-Wegeplatten schützen die Oberflächen.
Die Jumbotrommeln der Firma Wavin reduzieren die Anzahl der Verbindungsgruben. Bei 480 Metern Leerrohr pro Rolle entfallen mehrere Schweißverbindungen und Baugruben.
Unsere Bohrtruppe (5-8 Mitarbeitende) leistet insgesamt 3800 Stunden, die Tiefbau- und Rohrbautruppe (4-6 Mitarbeitende) 2800 Stunden.
Projektdaten:
- Auftraggeber: Avacon Netz GmbH
- Bauzeit: Juli 2025 – März 2026
- Umfang: 1850 m Doppeltrasse (HDD + offene Bauweise)
- Längste Bohrung: 430 m
- Bohrtiefe: bis zu 13 m
- Bohrungen gesamt: 6 HDD-Bohrungen (133 bis 430 m)
- Kabelsysteme: 4 x 20 kV (1 x 800 mm², 3 x 300 mm²)
- Anschlüsse: 8 Mittelspannungsstationen
- Versorgungsgebiet: Lüneburg Innenstadt, Mittelfeld, Rotes Feld









