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1. April 2026

Fernwärmeausbau in Hannovers Südstadt


Fernwärmeausbau in Hannovers Südstadt

Im Auftrag der Stadtwerke Hannover AG (enercity) realisiert die Kuhlmann Leitungsbau GmbH & Co. KG seit 2025 eine neue Fernwärmeleitung in der Südstadt von Hannover. Entlang der Großen Barlinge und der Simrockstraße entsteht auf rund 920 Metern eine zentrale Verbindung zur Erweiterung des innerstädtischen Fernwärmenetzes. Das Projekt, dessen Abschluss für das Frühjahr 2026 vorgesehen ist, schafft die Grundlage für die Versorgung von 23 großen Wohnkomplexen mit klimafreundlicher Wärme und leistet damit einen wichtigen Beitrag zur Wärmewende in der Landeshauptstadt.

Ausgangssituation und Projektablauf

Der Ausbau des Fernwärmenetzes in Hannover ist ein zentraler Baustein für eine nachhaltige Energieversorgung im urbanen Raum. Kuhlmann verlegt hierfür eine neue Fernwärmetrasse mit Rohrdimensionen von DN 300 bis DN 450. Die Leitungen bestehen aus einem Stahl-Innenrohr (P245-Kesselblech), einer PU-Schaum-Dämmung sowie einem PEHD-Mantelrohr und werden in Tiefen zwischen 2,20 und 3,50 Metern bei einer Grabenbreite von rund 2,50 Metern eingebaut.

Auf der Baustelle sind zwei Tiefbaukolonnen mit insgesamt zehn Mitarbeitende sowie zwei Schweißer Kolonnen im Einsatz. Ergänzt wird das Team durch Bauleitung, Koordination und Abrechnung. Insgesamt entstehen neben der Haupttrasse 13 Abzweigungen und 16 Hausanschlüsse.

Die Arbeiten erfolgen unter laufendem Verkehr und ohne Vollsperrungen. Dafür wird der Gehweg temporär zur Fahrbahn umgebaut. 99 Quadratmeter LKW-Brücken mit einer Tragfähigkeit von bis zu 60 Tonnen sichern Überfahrten und gewährleisten jederzeit die Zugänglichkeit für Anwohner sowie Rettungskräfte.

Herausforderungen und Lösungen

Die innerstädtische Lage stellt hohe Anforderungen an Planung und Ausführung. Enge Straßenräume, ein dichter Bestand an Versorgungsleitungen sowie begrenzte Lagerflächen erfordern eine präzise Koordination aller Gewerke. Zahlreiche bestehende Leitungen – darunter Gas-, Wasser-, Strom- sowie Abwasser- und Regenwasserleitungen – mussten entlang der gesamten Trasse umgelegt oder zurück gebaut werden.

Besondere Aufmerksamkeit galt der Verkehrsführung: Trotz der Bauarbeiten musste eine durchgehend mindestens drei Meter breite Feuerwehrzufahrt gewährleistet bleiben. Dies wurde durch provisorische Fahrwege und den gezielten Einsatz von LKW-Brücken realisiert. Parallel dazu erfolgten enge Abstimmungen mit Behörden und Institutionen wie Tiefbauamt, Polizei, Feuerwehr, Rettungsdiensten und Müllabfuhr. Für Anwohner wurden zentrale Müllplätze eingerichtet und regelmäßige Informationsmaßnahmen durchgeführt.

Auch technisch stellte das Projekt hohe Anforderungen. Ein bestehender Schacht wurde umgebaut, verbreitert und erhöht, zudem wurde ein Kompensator im Rücklauf erneuert. Die Schweißarbeiten unterliegen hohen Qualitätsanforderungen und werden intensiv geprüft.

Aufgrund des bestehenden Kampfmittelverdachts im gesamten Baufeld werden sämtliche Tiefbauarbeiten unter baubegleitender Kampfmittelüberwachung durchgeführt. Zwei spezialisierte Trupps sichern den Aushub – mehrere Verdachtsfunde stellten sich dabei als unkritischer Metallschrott heraus.

Die beengten Platzverhältnisse erforderten zudem innovative Lösungen: Bäume und Fahrradständer wurden temporär ausgebaut, um Arbeits- und Verkehrsflächen zu schaffen. Nach Abschluss der Bauarbeiten werden diese vollständig wiederhergestellt.

Trotz erschwerter Witterungsbedingungen mit längeren Schlechtwetterphasen wird das Projekt konsequent vorangetrieben. Mit dem Ausbau der Fernwärmeinfrastruktur in der Südstadt leistet Kuhlmann einen wichtigen Beitrag zur klimafreundlichen Energieversorgung Hannovers und zeigt, wie komplexe innerstädtische Bauprojekte durch präzise Planung, enge Abstimmung und technische Expertise erfolgreich umgesetzt werden können.