Neue Hochspannungsverbindung für Salzgitter

Im Auftrag der Avacon Netz GmbH realisiert die Kuhlmann Leitungsbau GmbH & Co. KG seit August 2024 eine neue 110-Kilovolt-Erdkabelverbindung in Salzgitter, einem zentralen Industriestandort in Niedersachsen. Das Projekt, das im ersten Quartal 2026 abgeschlossen werden soll, stärkt die Energieversorgung der Region und trägt zur energieinfrastrukturellen Weiterentwicklung des Standorts bei.
Ausgangssituation und Projektablauf
Der wachsende Energiebedarf in der Region Salzgitter erfordert den Ausbau der Hochspannungsinfrastruktur. Kuhlmann verlegt für die neue Stromverbindung zwischen den Umspannwerken VW Salzgitter und Bleeck eine 110-Kilovolt-Erdkabelverbindung über sechs Kilometer Länge, verteilt auf drei Systeme. Dabei werden 2,75 Kilometer im geschlossenen Verfahren ausgeführt.
Das rund 30-köpfige Team besteht aus vier Bohrmannschaften, vier Schachtmeistern, Maschinisten und Nachunternehmern. Der Rohrgraben wird auf 3,4 Kilometer Länge, drei Meter Breite und 1,8 Meter Tiefe profiliert. Insgesamt werden neun Kabelschutzrohre DA280 und sechs Leerrohre DA50 verlegt, ergänzt durch 2.000 Überschiebmuffen DN200 und 2.200 Stumpfnähte, die unter allen Wetterbedingungen geschweißt werden müssen.
Ursprünglich waren drei Pressbohrungen mit neun Meter tiefen Gruben geplant. Kuhlmann empfahl die offene Bauweise und setzte sie erfolgreich um – ein Ansatz, der Zeit und Kosten spart.
Herausforderungen und Lösungen
Das Projekt stellte besondere Anforderungen sowohl in technischer als auch in ökologischer Hinsicht. Drei Horizontalspülbohrungen mit jeweils 820 Meter Länge und 14 Meter Tiefe führen durch ein Waldstück. Die Rohrstränge werden auf Fahrbahnplatten geschweißt, mit 75 Kubikmetern Wasser ballastiert, auf Rollböcken gelagert und über ein Baugerüst über einen Bahndamm zur Bohranlage geführt – eine logistische Meisterleistung.
Eine weitere technische Herausforderung war die Bohrung unter dem Seitenkanal, bei der die Zielgrube einen Meter unter dem Wasserspiegel lag. Um eine Flutung zu verhindern, erhöhte Kuhlmann das Gelände mit 600 Kubikmetern Boden und sicherte die Grube umfassend gegen eindringendes Wasser.
Umwelt- und Naturschutz standen während der gesamten Bauzeit im Fokus. Zum Schutz von Flora und Fauna wurden umfangreiche Maßnahmen umgesetzt: 60.000 Quadratmeter Fahrbahnplatten schützten den Waldboden, ausschließlich Kettenmaschinen mit maximal 0,4 Kilogramm pro Quadratzentimeter Bodendruck kamen zum Einsatz, 8.000 Meter Wildschutzzaun wurden installiert und gewartet – bestehend aus 5.000 Metern Hamster- und 3.000 Metern Reptilienschutzzaun. Zusätzlich wurden 400 Meter Lärmschutzzaun zum Schutz der Waldtiere errichtet.
Eine besondere Herausforderung bei den Schweißarbeiten stellten die täglichen Temperaturschwankungen dar, durch die sich die Rohre bis zu zehn Meter ausdehnen können. Dies wurde bei der Verlegung sorgfältig berücksichtigt. Zudem begleitete ein spezialisiertes Kampfmittelteam alle Tiefbauarbeiten, da im gesamten Baugebiet Kampfmittelverdacht bestand.
Die Firma Kuhlmann bewältigte die komplexen Anforderungen durch den Einsatz hochspezialisierter Teams und modernster Bohrtechnik, innovative Lösungsansätze wie die Umstellung auf offene Bauweise zur Zeit- und Kostenersparnis, umfassende Umweltschutzmaßnahmen unter Berücksichtigung ökologischer Belange sowie präzise Planung und Ausführung unter Berücksichtigung physikalischer Gegebenheiten wie Materialausdehnung. Mit diesem Projekt leistet Kuhlmann einen wichtigen Beitrag zur Sicherung der Energieversorgung eines bedeutenden Industriestandorts und setzt Maßstäbe bei der Verbindung von technischer Exzellenz und Umweltschutz.





